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Mein Weg von der Milonga zur Tango Show in Buenos Aires

  • Mar 18
  • 4 min read

Vom ersten unsicheren Schritt auf der Milonga bis zum Scheinwerferlicht auf der Bühne von Buenos Aires – wie fühlt sich dieser Weg wirklich an? In diesem persönlichen Erfahrungsbericht nehme ich dich mit hinter die Kulissen der Tango-Ausbildung in der argentinischen Hauptstadt: in Klassenzimmer, die nachts zu Tanzsälen werden, in fordernde Trainings mit Weltklasse-Lehrer:innen und in Kompanien, in denen aus Leidenschaft Schritt für Schritt Bühnenreife entsteht. Ehrlich, nahbar und mit vielen Einblicken, die dir helfen, deinen eigenen Tango-Weg klarer zu sehen – egal, ob du gerade erst beginnst oder schon von mehr träumst.



Dienstagabend, 21:15 Uhr: Die Studierenden werden vom Gang, wo sie geübt haben, zurück ins Klassenzimmer gerufen. Flavia erklärt noch einmal: Die Sacada funktioniert nicht, wenn man zu weit vom Partner entfernt steht und dann in einem verzweifelten Versuch die eigene Achse verliert. Sie demonstriert, wie es NICHT aussehen soll – wir zerkugeln uns vor Lachen.



CETBA: die Tangouni für angehende Lehrerinnen und Lehrer


Hier am CETBA - Centro de Estudios del Tango de Buenos Aires – ist die Atmosphäre entspannt und herzlich. Das Gebäude nahe der Avenida Boedo ist tagsüber eine Volksschule. Abends werden die Kinderstühle zur Seite geschoben, und zwischen Zeichnungen vom Kleinen Prinzen und dem Alphabet an der Wand lernt man nicht nur unzählige Tango-Figuren, sondern auch, wie man sie weitervermittelt.

 

Grundlage des Unterrichts ist der paso básico nach dem Sistema Dinzel, entwickelt von Rodolfo und Gloria Dinzel. Heute leitet ihr Sohn Eric das CETBA. Die Aufnahme erfolgt jedes Jahr im März – Achtung: Anmeldungen starten schon im Dezember, genauso in der UNA (Universidad Nacional de Artes), die über ein Tangostudium verfügt.


Bunt gemischte Studenten

 

Das CETBA-Publikum ist vielfältig: Von der 20-jährigen mit Profiambitionen bis zum Rentner, der Tango bisher nur im Radio hörte, findet man hier alles. Viele reisen jeden Abend speziell aus der Provinz an, auch Expats aus Österreich, Italien, Australien, Russland etc. folgen dem Unterricht. Trotz meines anfangs katastrophalen Spanisch konnte ich das erste Jahr erfolgreich abschließen!

 

Übrigens: Als Immatrikulierte kann man eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung bei Migraciones beantragen und muss nicht wegen dem Visum alle drei Monate ausreisen.




Bist du bereit für deinen Buenos Aires Tango Boost?


Vielleicht hast du schon einmal überlegt, für längere Zeit nach Buenos Aires zu kommen, um deinen Tango zu vertiefen? Ich bin 2019 meiner Intuition gefolgt und habe es bis heute trotz Instabilität, Politik, Inflation etc. nicht bereut. Wenn auch du professionelle Ambitionen hast, kann dir dieser Text hoffentlich eine wertvolle Orientierung geben. Dabei hat für mich nicht nur die Qualität der Ausbildung eine Rolle gespielt, sondern auch WER unterrichtet und wie. Solidarität und Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe sind mir wichtig und geben mir im fremden Land ein Gefühl von Geborgenheit.



Bühnenreife durch Praxis erlangen


In den letzten Jahren ist in Buenos Aires ein neuer Trend entstanden: Kompanien als Talenteschmiede für angehende Profis. Die Idee: Learning by doing – man trainiert regelmäßig in Gruppen, lernt Choreografien und tritt auf.

 

Diese Kompanien sind entweder universitätsnah (CETBA, UNA), studiospezifisch (Estudio Dinzel, El Cruxe) oder an renommierte Choreografinnen wie Mora Godoy gebunden. Die monatlichen Kosten liegen zwischen 0 und 100 Euro – je nach Intensität und Format.


Strenge mit Herz im Studio Betsabet Flores

 


„Uno, dos, tres, cuatro…“ ruft Betsa im strengen Militärton zur Musik von Forever Tango, nur um gleich darauf zu schimpfen: „Was war denn das bitte? Ihr könnt es doch besser! Gleich nochmal“. Und das ist erst der Anfang eines siebenstündigen Trainingstages an dem uns noch Partnering, Technik, Theater und individuelle Kräftigung und Stretching erwarten. Hier im “Instituto Superior de Tango Betsabeth Flores” studieren rund 20 Tänzer Tango Escenario – also Bühnentango mit theatralen und akrobatischen Elementen. Der Prozess steht dabei im Vordergrund, ausverkaufte Shows gibt es nur zweimal pro Jahr.

 

Betsa ist Unternehmerin, Mama, leidenschaftliche Lehrerin und Tango Weltmeisterin. Ihr lichtdurchflutetes Studio liegt nahe dem Teatro Colón. Gemeinsam mit Jonathan Spitel & Team taucht sie tief in technische und anatomische Details ein. Wer das Niveau nicht erreicht, darf nicht auf die Bühne. Seit eineinhalb Jahren verbringe ich all meine Samstage im Studio. Hier wird getanzt, bis Schuhe durch die Luft fliegen, herzlich gelacht und zu Mittag der Gemüsereis aus Tupperware gegessen. Wenn ich dann um 17 Uhr nach Hause radle, fühlt sich mein Körper gekräftigt und flexibel an, ich summe die Melodie der Choreo vor mich hin und lächle zufrieden.




Immer wieder zurück zur Essenz mit der Kompanie “Titanes”


Was ist ein Schritt? Wo entsteht der Pivot? Mit wie wenig Gewichtsverlagerung kann ich bereits eine Projektion auslösen? Es ist ein totales Geschenk, sich von Weltklasse Tänzern back to the basics führen zu lassen und das Universum an Möglichkeiten im vermeintlich “eh schon Bekanntem” neu zu entdecken.

 


Die Kompanie “Titanes” wurde vom Star-Paar Leandro Capparelli und Jeanette Erazu gegründet und bietet 2,5 Wochenstunden anspruchsvollstes Training auf drei unterschiedlichen Einstiegsniveaus von Tango Salon bis Escenario. Kein Wunder, dass die jährliche Audition im Jänner mit rund 130 Tänzerinnen völlig überlaufen ist. Leandro findet immer wieder die exakt richtigen Worte um eine Bewegung von ok zu exzellent werden zu lassen und unsere Truppe zwei Tage vor dem Auftritt von chaotisch zu bühenreif zu bringen. Und so ganz nebenbei sind er und Jeanette auch noch Eltern geworden, touren mit Baby Ciro durch Europa während sie Titanes in die Obhut von Luxuslehrern wie Florencia Zárate und Guido Palacios geben.


Wachstum braucht Kontinuität



Mittlerweile habe ich über zehn Tangoshows getanzt, im Complejo Belgrano, La Catedral, solo und in der Gruppe, auf der Straße sowie in Videoclips bekannter Musiker wie Tanghetto oder Carla Pugliese mitgewirkt. Ich bin zufrieden mit den Fortschritten, die ich dank meiner gewählten Ausbildungsstätten gemacht habe.

 

Egal, für welche Form du dich entscheidest – ich empfehle Kontinuität statt Klassen per Zufallsprinzip anzuhäufen. Wenn du regelmäßig mit einer festen Gruppe und deren Leitung lernst, können Inhalte aufeinander aufbauen und du findest leichter Übungspartner:innen. Außerdem – mindestens genauso wichtig: Menschen, die zu deinen Freunden und deiner Familie werden in einem fremden Land.

 
 
 

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© 2020 by Valerie Kattenfeld

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